In der Westhoyeler Mühle ruht der Stein


        
    

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Letzter Mahl- und Backtag 2017.

Von Butternut bis Hokkaido Delizia Budde bietet Kürbisse an. Fotos: Martina Ewert

Zwar verabschiedeten sich die Westhoyeler Mühlenfreunde am Sonntag für dieses Jahr auf dem Gelände rund um das massive Bruchsteinquader des Wallholländers mit dem letzten Mahl- und Backtag. Aber es war kein trauriger Abgesang, sondern ein fröhlicher, bunter Tag, der bereits mit Gesprächen und Projekten zur neuen Mahl- und Backsaison im Jahr 2018 neugierig machte.

Das Fest des rührigen Vereins zur Restaurierung und Erhaltung der Westhoyeler Windmühle lud nicht nur zufällig vorbei fahrende Radler zur Einkehr ein, sondern gehört für viele zum festen Bestandteil eines gelungenen Sonntagsausflugs.

Gesundes Vollkornmehl.

So gehört die „Mühlenbande“ fast schon zum Inventar. An jedem Mahl- und Backtag findet sich die „Bande“ zum lockeren Beisammensein an einem gemütlichen Plätzchen ein. Sprichwörtlich klappert die gesellige Runde alle Mühlen des Mühlenkreises Minden-Lübbecke ab, eine Art offener Stammtisch, aus der tiefe Freundschaften entstanden sind.

Tatkräftig unterstützen die ehrenamtlichen Helfer den Verein. Restaurierung und Erhalt der historischen Mühle erfordern viel Engagement. Über „das Schicksal“ des Müllers berichtet Detlef Rohde: „Zwar war es ein recht schöner Mühlensommer, aber es war kein guter Wind. Vielfach hatten wir Probleme, das Mahlwerk in Bewegung zu bekommen.“ Um die mächtigen Segel überhaupt zu bewegen, wird das Mahlwerk abgekoppelt.

Gemahlen wird das Korn dann in der elektrischen Mühle. Das Mehl, das zugunsten des Vereins verkauft wird, ist zwar kein Feinmehl, da es nicht ausgesiebt wird, aber ein gehaltvolles Vollkornmehl. Dies sei besonders gesund da die Keimlinge enthalten sind, so „Müllergeselle“ Frank Degen.

Für die Müller fällt viel Arbeit an. Das Mahlwerk wird abgebaut, das alte Schrot muss entfernt werden, Großreinemachen ist angesagt. Die Segel werden abgenommen, dies nennt der Müller „absegeln“. Auf der Rasenfläche werden die Segel ausgelegt und mit Schrubber und Wasser bearbeitet. Denn in diesem Jahr haben die Stare die Segel oft als Karussell genutzt. Zwar sei es kurzweilig gewesen, die Fahrt der Stare zu beobachten. Aber zum Leidwesen der Müller haben diese auch Kot hinterlassen, der die Segel angreift.

Platenkuchen ein Genuss.

Unübertroffen ist der Genuss des Original Westhoyeler Platenkuchens. Mit guter Butter und am besten noch lauwarm aus dem großen Steinofen des Backhauses und einer Tasse „Bohnenkaffee“. „Ein Gedicht“, befindet die Mühlenfamilie wie Besucher einhellig. Und um diese glücklich zu machen, setzen die flinken Hände des Bäckerteams Frank Kihl, Beate Luckemeyer, Christian Guder und Tanja Niehaus auf jedes Blech symmetrisch 11 mal 14 Buttertupfer, kneten, rollen und wirbeln im Backhaus. Seit kurz vor halb sechs am Morgen sind sie dabei. Wichtig sei, so Frank Kihl, am Vorabend einen Scheit Holz schon im Ofen zu trocknen, das erleichtert das Anheizen.

Die Kaffeeausgabe ist fest in harmonischer Vier-Generationenhand: Hanna-Marie (Urenkelin), Nina (Enkelin), Anja (Oma) Rohde und Inge Sigmund (Uroma). Ein Beispiel für das altersübergreifende Engagement der Mühlenfamilie. Oma Inge Sigmund merkt an, dass Nachwuchs gesucht wird: Wer Freude hat, das Engagement der Mühlenfamilie zu unterstützen, wird herzlich aufgenommen. Die Motivation der vielen Helfer ist das familiäre Miteinander.

Unwiderstehliche Marmeladen.

Zum anderen sind es die Aussteller, die mit einem individuellen Angebot wie süßen Leckereien, unwiderstehlichen Marmeladen und Honig, bunten Kürbissen, Gebasteltem und textilen Geschenken oder soliden handwerklichen Korbwaren ein vielfältiges Angebot bieten.

Delizia Budde aus Altenmelle bietet Kürbisse an. Und erzählt von einem heimlichen Wettstreit mit Ihrem Freund: „Er verkauft unsere Kürbisse heute auf dem Herbstfest in Melle. Wir haben eine Wette laufen, wer heute Abend mehr verkauft hat“ lacht sie. Unter der Hand erzählt sie aber von ihrem Wettbewerbsvorteil: Hier an der Hoyeler Mühle sei der Weg zum Auto kürzer, und mehr Spaß habe sie hier ob der guten Atmosphäre. Hier gehört man dazu.

Am Trödelstand bietet Gabriele Rauf altes und nützliches an. Der Erlös geht an den Verein Tier- und Naturschutz Melle. „Ich bin glücklicher, wenn ich abgeben kann“ so Gabriele Rauf. Strick- und Nähsachen, Pullover für Puppen, werden von ihr handgefertigt.

Ann-Christin Payne verkauft mit ihrer Oma Liesa Fischer süße Marmeladen. Ihre Lieblingssorte ist „Herbstzauber“. Mit Apfel, Birne, Pflaume und Zimt. Und selbstgepflücktem Holunder aus Randringhausen bei Bünde, ihrem Zuhause.

Fazit: Es gibt vieles, worauf sich Besucher wie Aussteller beim Mahl- und Backtag der Hoyeler Mühle im kommenden Jahr wieder freuen dürfen.

 

Text und Photos: Martina Ewert

Mit freundlicher Genehmigung des Meller Kreisblatt

 
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