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Telefonzelle wird Bücherschrank In Riemsloh: Literatur tauschen statt anrufen.

Telefonzelle als Bücherschrank Photo: Thorsten Lemke

Was lange währt, wird endlich gut: Die Idee zur Umwandlung der abgeschalteten Riemsloher Telefonzelle in einen öffentlichen Bücherschrank konnte am Donnerstagabend nach mehr als einem Jahr und vielen Komplikationen endlich verwirklicht werden

.„Ab jetzt können Bücher zu jeder Tageszeit problemlos geliehen, getauscht und vor allem gelesen werden – ganz ohne Leihgebühren, Leihfristen und Ausweis“, freute sich Initiatorin Ulla Buermeyer über das letztendlich doch noch gelungene Werk. „So ein öffentlicher Bücherschrank bietet allen Bücherfreunden die Chance, ihre Freude am Lesen mit anderen zu teilen“, ergänzte Riemslohs stellvertretende Bürgermeisterin. „Denn Bücher die im Regal verstauben, sind tot.“

Vom Sachbuch bis zum Gedichtband – das ganze Spektrum der Literaturlandschaft sei willkommen, erläuterte Buermeyer. Das untere Regal sei für Kinderbücher und junge Leser reserviert. Der von ehrenamtlichen Paten betreute offene Bücherschrank verstehe sich als „kleine Ergänzung“ zu den umfassenden Angeboten der städtischen und kirchlichen Büchereien, betonte die stellvertretende Ortsratsvorsitzende.

Bereits unmittelbar nach der Eröffnung waren die Regale in der Telefonzelle gut gefüllt. Wer keinen Platz mehr für mitgebrachte Bücher findet, kann sich telefonisch (05226/184912) an Ulla Buermeyer wenden. Bei Überangeboten will sie Bücher außerhalb der Telefonzelle lagern. Durch gelegentlichen Austausch soll das Bücherangebot ständig aktualisiert und attraktiv gehalten werden. Direkt nach der offiziellen Eröffnung tauschte Anke Leitersbach als erste Nutzerin Fantasy-Romane gegen Werke von Sarah Kuttner und Catrin Barnsteiner.

„Jetzt hat die letzte Riemsloher Telefonzelle in einem etwas veränderten Outfit eine neue Aufgabe gefunden“, erklärte Ortsbürgermeister Günter Oberschmidt. In seiner Eröffnungsansprache vor 30 versammelten Bücherfreunden blickte er auf die Hindernisse bis zur Realisierung des Projektes zurück. Im April 2014 schaltete die Telekom die Telefonverbindung ab und wollte die Zelle abbauen. Hier setzte Buermeyers Idee an, der Telekom das Häuschen preiswert abzukaufen und umzufunktionieren statt es zu entfernen. Diese so schöne einfache Lösung wurde aber von der Telekom aus versicherungsrechtlichen Gründen abgelehnt. Die Zelle musste erst in der Telekom-Werkstatt bei Berlin geprüft, gewartet und überholt werden, bevor sie für 350 Euro gerkauft werden konnte.

So waren viel organisatorische Arbeit und Unterstützung nötig: Ein Riemsloher Malermeister kümmerte sich um den Rücktransport aus Berlin, für den Stromanschluss für die Beleuchtung sorgte ein örtlicher Elektriker, die Regale baute Ortstischler Franz Polle und für eine ansprechende Umgestaltung des Häuschens sorgte Marion Welkener. Diesen Helfern galt der Dank des Ortsbürgermeisters und seiner Stellvertreterin. Dank der vielen Helfer und Sponsoren könne die vom Stadtteilparlament festgelegte Obergrenze von 600 Euro aus dem Ortsratsbudget vielleicht sogar unterschritten werden, meinte Buermeyer..

Quelle: Norbert Wiegand, Meller Kreisblatt, 08.0.5.2015